Die Neurologie ist einer der größten medizinisch-therapeutischen Fachbereiche. Sie befasst sich mit Erkrankungen des Zentralnervensystems, also des Gehirns und des Rückenmarks, und mit Verletzungen des peripheren Nervensystems. Patienten mit neurologischen Beeinträchtigungen erfahren vielfältige Einschränkungen ihrer Handlungsfähigkeit in allen Lebensbereichen. Um die Betroffenen zu größtmöglicher Selbstständigkeit und gesellschaftlicher Teilhabe zu befähigen, bedient sich die Ergotherapie aktueller Erkenntnisse der Neurowissenschaften und anderer Bezugsdisziplinen zur Entwicklung differenzierter Testverfahren und effektiver Behandlungsmethoden.
Das Bobath-Konzept beruht auf den Prinzipien:
der Ganzheitlichkeit: Die Therapeuten betrachten den Patienten in seiner Gesamtheit. Die Fähigkeiten des Patienten im sensomotorischen Bereich werden hierbei eingeschätzt und die Wechselwirkungen zu seinen perzeptiv-kognitiven Fähigkeiten und seiner sozio-emotionalen Situation beachtet.
der Wechselwirkung zwischen Befund und Behandlung / Clinical Reasoning: Die Beobachtung und Befunderhebung findet während der Behandlung statt. Die Therapeuten nehmen die fortlaufenden Veränderungen wahr und passen sich diesen an. Aus den Veränderungen ergeben sich neue Fragestellungen und andere Hypothesen über mögliche Zusammenhänge zwischen Haltung und Bewegung. Aus deren Überprüfung ergibt sich eine neue Einschätzung welches eine Veränderung der Therapieangebote an den Patienten zur Folge haben wird.
Gerne arbeiten wir auch mit Ihrem Physiotherapeuten, Logopäden oder Pflegepersonal zusammen, um eine ganzheitliche Behandlung im Team zu ermöglichen.
Das Bobath-Konzept ist ein multidisziplinärer rehabilitativer Ansatz in der Therapie und Pflege von Patienten mit Erkrankungen des zentralen Nervensystems.
Die von der IBITA entwickelten theoretischen Annahmen des Bobath-Konzepts stellen das Prinzip des selbständigen Problemlösungsprozess des Patienten in den Vordergrund der Behandlung.
Als Grundlage für die praktische Anwendung heute, dient der aktuelle Wissensstand über motorische Kontrolle, motorisches Lernen, neuronale und muskuläre Plastizität sowie über Biomechanik. Darüber hinaus fließen sowohl die Ergebnisse spezialisierter Behandlungserfahrung als auch die Bedürfnisse und Erwartungen der zu Behandelnden in diesen therapeutischen Denkansatz mit ein.
Das dialogische Prinzip (verbal/taktil): Eine Therapie ist eine Interaktion zwischen Patient und Therapeut. Daraus entsteht eine sogenannte senso-motorische Kooperation, Ziele, Wünsche und Pläne des Patienten werden in der Therapieplanung mit einbezogen. Die Interaktion mit den Angehörigen und mit der Umgebung des Patienten, sowie die Integration mit anderen Berufsgruppen ist für die Rehabilitation von größter Bedeutung.
Die Überlegungen bezüglich Zielen, Schwerpunkten und Vorgehensweisen in der Behandlung orientieren sich an der Gegenwart und an der Brauchbarkeit für die Handlungen des Patienten im Alltag.
Das Bestreben nach Eigenständigkeit steht im Vordergrund und das bestmögliche „Sich-zurecht-finden “ , „Selbstmachen“ oder „Mitmachen können“ des Patienten leitet die Therapeuten bei ihren Planungen. Dementsprechend werden die Therapieeinheiten bezüglich Umfang, Zeit und Intensität individuell geplant.
In den 2000er Jahren wurde das Lee Silverman Voice Treatment zur Behandlung der parkinsontypischen Bewegungsstörung („Bradykinese “ ) weiter entwickelt. Diese erfolgsversprechende Behandlungsmethode wird LSVT BIG genannt. Bei LSVT-BIG liegt der Fokus auf dem Einüben großer Bewegungsamplituden bei Maximal- und individuellen funktionellen Übungen (groß = BIG, englisch).
Der Schwerpunkt von „LSVT-BIG" ist das gezielte Üben von Bewegungen mit großer Amplitude (Umfang) zur Verbesserung der Geschwindigkeit und des Bewegungsausmaßes bei Patienten mit parkinsontypischer Verlangsamung und Verkleinerung der Bewegungen (Bradykinese). Durch intensives Wiederholen und ständige Erfolgskontrolle durch den Therapeuten bewirkt LSVT-BIG, dass Patienten wieder auf ungenutzte Bewegungsmöglichkeiten zugreifen und diese bewusst im Alltag einsetzen können.
Die Behandlung ist auf eine Verminderung der Bewegungsverlangsamung ausgerichtet und hat eine Verbesserung der Alltagskompetenz zum Ziel. Die Gehgeschwindigkeit nimmt durch Vergrößerung der Schrittlänge zu und auch zielgerichtete Bewegungen der Arme werden größer und schneller. Durch die Anwendung von LSVT-BIG-Bewegungen im Alltag entsteht zunehmend eine Situation des permanenten Übens, so dass die verbesserten Bewegungsabläufe immer mehr automatisiert und selbstverständlich werden.
Durch eine frühzeitig im Krankheitsverlauf einsetzende Behandlung mit der LSVT-BIG-Methode soll der bei Parkinson häufig fehlenden Nutzung vorhandener Bewegungsreserven entgegengewirkt werden. Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung lassen darauf schließen, dass auf diese Weise das Fortschreiten der Behinderung verzögert werden kann. Lebensqualität und Selbständigkeit sollen so lange wie möglich erhalten bleiben.
Nach bisherigen Erkenntnissen ist LSVT-BIG besonders für Parkinsonbetroffene in frühen Krankheitsstadien geeignet. Bei schweren Gleichgewichtsstörungen, Blockaden oder Stürzen sind andere Übungsverfahren empfehlenswert.
Die Art und Weise der Therapie basiert auf hoher Intensität und enormer Kraftanstrengung. Die Übertragung des neuen großen Bewegungsausmaßes in den Alltag (Kalibrierung) durch spezielle Trainingselemente
Die Behandlung findet 4 Wochen an 4 aufeinanderfolgenden Tagen pro Woche im Rahmen einer Einzeltherapie statt:
18 x Einzelbehandlungen (16 x LSVT-BIG; 2 x Befund) psychisch-funktionelle Therapie à 60 Minuten, 4 Therapieeinheiten / Woche oder alternativ: 36 x motorisch-funktionelle Doppelbehandlungen à zwei Mal 30 Minuten (32 x LSVT-BIG; 4 x Befund).
Die gesamte Therapie kann vom Arzt auf einer oder aufgeteilt auf drei Heilmittelverordnungen ausgestellt werden.
Da die LSVT-BIG Therapie bisher im Heilmittelkatalog der Ergotherapie nicht als verordnungsfähige Therapie aufgenommen wurde, muss die Kostenübernahme für den jeweiligen Patienten individuell beantragt werden. Viele Krankenkassen entscheiden im Einzelfall im Sinne ihres Mitglieds, die Kosten zu übernehmen.
Die LSVT-BIGTherapie darf ausschließlich von zertifizierten Ergo oder Physiotherapeuten durchgeführt werden!