Die Psychiatrie und Psychosomatik ist heute – zusammen mit der Neurologie – einer der größten medizinisch-therapeutischen Fachbereiche, in dem die Ergotherapie sehr wirksam ihre speziellen Kompetenzen und Verfahren einbringen kann. Sie befasst sich hier mit Patienten aller Altersstufen und mit vielerlei psychiatrischen und psychosozialen Störungen, Beeinträchtigungen und zeitweiligen oder auch chronischen Erkrankungen.
Da die moderne psychiatrische Ergotherapie Klienten zentriert ausgerichtet ist, sind die folgenden Erläuterungen stets beispielhaft und als Möglichkeit zu verstehen.
Mit jedem einzelnen Patienten werden anhand der ärztlichen Diagnose und der ergotherapeutischen Befunderhebung Wege der Interventionen, d.h. Behandlung und Beratung sowie auch zur Prävention, vereinbart und verfolgt – immer mit dem Ziel größtmöglicher Selbstständigkeit, Teilhabe und Lebensqualität.
In verschiedenen Lebensphasen der Patientinnen und Patienten können auch alterstypische Erkrankungen auftreten, u.a. können Entwicklungs- und Verhaltensstörungen mit Beginn in Kindheit und Jugend vorliegen, bei Menschen im höheren Lebensalter treten oftmals demenzielle Syndrome und Mehrfacherkrankungen auf.
Eine ergotherapeutische Behandlung ist immer auch angezeigt, um einer drohenden oder weiteren Schädigung vorzubeugen (Prävention). In der Psychiatrie gelingt es oft, die Verarbeitung eines Krankheitsverlaufes oder einer Krisensituation zu unterstützen und so den Umgang mit einer Beeinträchtigung im Alltag zu verbessern.
Ausdruckszentrierte Methoden (z.B. bildnerisches und plastisches Gestalten) werden bei Störungen der Emotionen und der Selbstidentifikation, Defiziten der Selbst- und Fremdwahrnehmung, Einschränkungen der Motivation und Verhaltensauffälligkeiten und Störungen in der Kommunikation eingesetzt.
Kompetenzzentrierte Methoden helfen bei Störungen der Aufmerksamkeit und Konzentration, Defiziten in der Selbstständigkeit und der Selbsteinschätzung, bei Problemen mit der Strukturierung und der Motivation und bei Störungen der Handlungsplanung und der Durchführung von Aufgaben
Eine Symptombezogene regulierende Methode kann während der Akutphasen psychischer Erkrankungen helfen, wenn elementare Funktionsbereiche der Informations- und Wahrnehmungsverarbeitung gestört sind. Niederschwellige Therapieangebote wie die Verbesserung der selektiven Aufmerksamkeit (z.B. durch reizarme Angebote) und eine Sequenzierung von Handlungsschritten (Wesentliches von Unwichtigem unterscheiden lernen) oder die soziale Kommunikation können hier im Vordergrund der Behandlung stehen.